#Die ÖVP und die Teilzeit: Und täglich …

… grüßt das Murmeltier: Zum x-ten Mal wärmt also die ÖVP – diesmal in Person des Wirtschaftsministers Hattmannsdorfer – wieder die Teilzeit -Debatte auf. Einmal mehr will die ÖVP Anreize gegen Teilzeit und diese so unattraktiv wie möglich machen. Es soll wieder mehr Vollzeit gearbeitet werden. Leistung = Vollzeit, so die Gleichung der ÖVP.

Zeit, dass die ÖVP endlich in der Realität ankommt: Die von der ÖVP präferierte 40-Stunden-Vollzeit für Alle – die war nämlich einmal. Die kommt nicht wieder. Und nicht mal damals hat’s gestimmt. Das mit den „Alle“. Vollzeit – die galt maximal für Männer. Die Arbeitsnormalität von Frauen war seit jeher stark von Teilzeit geprägt. Frauenarbeit – das war anno dazumal im gesellschaftspolitisch nach wie vor konservativ geprägtem Österreich vor allem Zuverdienst. Und Zuverdienst hieß Teilzeit. Und je mehr Frauen am Arbeitsmarkt, desto stärker stieg die Teilzeit.

Nicht Teilzeit wurde – und wird – dagegen von Frauen ebenso seit jeher im Haushalt, in der häuslichen Pflege, in der Kinderbetreuung gearbeitet. Unbezahlte Care-Arbeit wird zu 2/3 von Frauen erbracht. Bezahlte Erwerbsarbeit dagegen zu rund 2/3 von Männern.

Und da gilt’s natürlich zuallererst anzusetzen, wenn man ernsthaft, höhere Teilzeit oder Vollzeit ermöglichen will. Ideologiegetriebene Bestrafungspolitik hilft da wenig. Was zu tun wäre, weiß man ohnehin längst:

    • Kinderbetreuung bedarfsgerecht, flächendeckend, ganztägig und kostenlos anbieten. Pflegeeinrichtungen ausbauen. Ebenso Ganztagsschulen. Das würde schon einige Probleme lösen. Alles längstens bekannt.
    • Gleichzeitig müssen die Betriebe – ja ganze Wirtschaftssektoren – stärker in die Pflicht genommen werden. Es gibt Branchen – auch das bekannt – wie Handel, Pflege, Soziales, Gesundheit – wo überwiegend weibliche Teilzeit gearbeitet wird. Weil nur Teilzeit-Jobs angeboten werden. Oder die Arbeitsbedingungen so fordernd sind, dass nur Teilzeit gearbeitet werden kann. Auch hier wären Initiativen gefragt.
    • Es kann – und muss – aber auch bei Arbeitszeit-Regelungen angesetzt werden: In Frankreich gilt etwa eine gesetzliche Mindestarbeitszeit von 24 Wochenstunden bei Teilzeit (mit Ausnahmen für z.B. Jugendliche, Schüler:innen, Student:innen). In Dänemark regeln Kollektivverträge Mindestarbeitszeiten für Teilzeitbeschäftigte. Gleichzeitig wurden in Frankreich und Dänemark Vollzeitarbeit – in Frankreich auf 35 Wochenstunden, in Dänemark auf 37 Wochenstunden – verkürzt.
    • Damit soll Teilzeit nach unten abgesichert, höhere Teilzeitarbeit gefördert u die Schere zwischen Voll- u Teilzeit verkleinert und bezahlte wie unbezahlte Arbeit gerechter verteilt werden. Höhere Teilzeit sichert bei Arbeitslosigkeit oder in der Pension finanziell besser ab und bietet bessere berufliche Aufstiegsmöglichkeiten.

Es gäbe – es gibt – also einen ganzen Maßnahmenmix der einsetzbar wäre, um höhere Teilzeit bzw. „kurze“ Vollzeit zu fördern.

Interessanterweise – eher wenig überraschend –  stoßen derartige Ideen bei ÖVP u Co allerdings stets auf taube Ohren. Die ÖVP will lieber strafen, sanktionieren etc. – das aber immer nur bei den Arbeitnehmer:innen. Die Betriebe in die Pflicht zu nehmen oder gar Arbeitszeitgesetze entsprechend zu ändern und an moderne Arbeitswelten anzupassen, kommt für die ÖVP nicht infrage.

ÖVP nach Motto „Haltet den Dieb“

Dabei trägt gerade die ÖVP besonders Verantwortung dafür, dass Frauen in Teilzeit gedrängt wurden und werden: Es war die ÖVP, die über Jahrzehnte großangelegte Investitionen in Kinderbetreuung und Pflege verabsäumt oder behindert hat. Es war auch ausgerechnet Hattmannsdorfers ÖVP OÖ, die z.B. die kostenlose Nachmittagsbetreuung in oberösterreichischen Kindergärten gestrichen hat.

Und es war die ÖVP die über Jahre ein tradiertes, längst überholtes Familienbild mit entsprechenden Geschlechterrollen – Mann als Familienerhalter, Frau als Zuverdienerin – gefördert und propagiert hat. Und ihre Politik an diesem Familienbild ausgerichtet hat.

Nun sind natürlich wieder einmal alle anderen – v.a. die Frauen – Schuld. Einmal mehr forciert die ÖVP Scheinlösungen statt seriöse Maßnahmen, die Teilzeit tatsächlich fairer, geschlechter- und chancengerechter und auch sozial besser abgesichert gestalten würden. Zum Vorteil der Betroffenen wie auch der Unternehmen.

Vorschläge dafür liegen längst am Tisch. Wenn es der ÖVP tatsächlich ernst ist: Einfach umsetzen. Also: Worauf länger warten?