Auch im August steigt die Arbeitslosigkeit – besonders stark bei Frauen. Und dieser Anstieg lässt sich längst nicht mehr allein mit dem steigenden Frauenpensionsalter erklären. Er zieht sich durch alle Altersgruppen und zeigt sich einmal mehr besonders deutlich in klassischen „Frauenbranchen“.
Grafik: ORF, Link: Arbeitslosigkeit steigt: Tiefe Kluft zwischen Frauen und Männern – news.ORF.at
Die aktuellen Zahlen:
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- Insgesamt ist die Arbeitslosigkeit im August im Vergleich zum Vorjahr um 2,3 % gestiegen. Bei Frauen beträgt der Anstieg allerdings 5,8 %, während die Arbeitslosigkeit bei Männern sogar geringfügig um 0,8 % gesunken ist. Einen besonders starken Anstieg gab es im Gesundheits- und Sozialbereich – Wirtschaftsbereiche mit einem überdurchschnittlich hohen Anteil weiblicher Beschäftigter.
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- Während bei Männern unter 40 Jahren die Arbeitslosenzahlen sinken, steigt die Arbeitslosigkeit bei Frauen durchgängig in allen Altersgruppen. Die Erhöhung des Frauenpensionsalters kann daher nicht die alleinige Ursache sein, wenn etwa 1.150 Frauen im Alter zwischen 45 und 50 Jahren mehr arbeitslos sind als noch vor einem Jahr.
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- Auch nach Ausbildung betrachtet steigt die Arbeitslosigkeit bei Frauen deutlich stärker als bei Männern. Auffällig ist dabei, dass die Arbeitslosigkeit bei Menschen mit höchstens Pflichtschulabschluss am geringsten steigt – bei Männern geht sie in dieser Gruppe sogar zurück.
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- Besonders stark – um 16 % – ist die Arbeitslosigkeit allerdings bei den über 60-Jährigen gestiegen: bei Frauen um knapp 36 %, bei Männern um 9 %. Zugleich ist die Arbeitslosigkeit bei den 55- bis 60-jährigen Männern nur unterdurchschnittlich gesunken.
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- Weiter verfestigt hat sich auch die Langzeitbeschäftigungslosigkeit. Sie ist bei Frauen um 18 %, bei Männern um 7,1 % gestiegen.
Welche Schlüsse lassen sich aus diesen Zahlen ziehen?
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- Angesichts der weiterhin steigenden Arbeitslosigkeit bei älteren Arbeitnehmer:innen sind Maßnahmen, die Menschen länger in Beschäftigung halten, dringender denn je. Dazu gehört etwa ein von den Grünen schon lange gefordertes und bereits als Gesetzesentwurf in den Nationalrat eingebrachtes Bonus-Malus-System. Es belohnt Unternehmen finanziell, die überdurchschnittlich viele ältere Menschen beschäftigen, und verlangt umgekehrt von Betrieben mit unterdurchschnittlich wenigen älteren Beschäftigten einen zusätzlichen Beitrag.
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- Eine Erhöhung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters vor dem Hintergrund weiterhin steigender Arbeitslosigkeit bei älteren Arbeitnehmer:innen verschiebt hingegen nur Probleme – von der Pensions- in die Arbeitslosenversicherung – und löst keine.
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- Das Aus für die Bildungskarenz dürfte – auch wenn es Politik und Befürworter:innen der Abschaffung auch in den Reihen der Arbeitsmarktpolitik nicht gerne hören und geflissentlich ignorieren – für den Anstieg der Frauenarbeitslosigkeit, insbesondere bei den Höherqualifizierten, mitverantwortlich sein. Statt Bildungskarenz heißt es nun eben Arbeitslosigkeit. Das war absehbar.
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- Mit der Verfestigung der Langzeitarbeitslosigkeit droht vielen Betroffenen zudem ein böses Erwachen: nämlich Pensionskürzungen, wie sie im Rahmen der Budgetkonsolidierung beschlossen wurden. Wer länger als ein Jahr Notstandshilfe bezieht, muss künftig mit einer niedrigeren Pension rechnen. Wird die betroffene Person zusätzlich aus der Arbeitslosigkeit zwangspensioniert, kommen auch noch unfreiwillige Abschläge hinzu. Menschen werden damit für ihr Schicksal gleich mehrfach bestraft.
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- Umso wichtiger sind Beschäftigungsmaßnahmen wie die frühere Aktion 20.000 oder die Initiative „Sprungbrett“ für ältere Arbeitnehmer:innen, um Menschen länger in Beschäftigung zu halten und ihnen einen späteren Pensionsantritt zu ermöglichen.
Die Mittel dafür wären vorhanden, würde die Regierung auf Maßnahmen wie die arbeitsmarkt- und verteilungspolitisch gleichermaßen fragwürdige „Aktivpension“ verzichten und die dafür vorgesehenen 380 Mio. Euro stattdessen in aktive Arbeitsmarktpolitik investieren: in Ausbildung, Qualifizierung, Wiedereingliederung und Beschäftigung im gemeinnützigen Bereich für jene Gruppen, die besonders stark von Arbeitslosigkeit betroffen sind.
Es ist eine Frage des politischen Willens. Die Notwendigkeit ist da.
Link: Arbeitslosigkeit steigt: Tiefe Kluft zwischen Frauen und Männern – news.ORF.at

